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Offener Hochschulzugang Adieu? – Gegen neue Zugangsbeschränkungen!

Von Alexandra Melmer und Astrid Groß.

Anstatt die strukturellen Probleme der Universitäten an der Wurzel zu packen, werden weiterhin nur Symptome bekämpft – auf Kosten des offenen Hochschulzugangs.

Wie am 29.1.2018 bekannt wurde, plant die Bundesregierung eine Verordnung, durch welche Rechtswissenschaften, Pädagogik und Sprachstudien zugangsbeschränkt werden. Das Referat für Bildung und Politik der ÖH Uni Graz sieht weitere Zugangsbeschränkungen nicht als zielführend. Alternativ sollten Maßnahmen wie Verbesserungen in der didaktischen Ausbildung, verpflichtende Fortbildungen für Lehrpersonal, Lehrveranstaltungsevaluierungen mit möglichen Konsequenzen, interne und externe Qualitätssicherung in Verbindung mit der Ausfinanzierung des Hochschulsektors als sinnvolle Instrumente für eine Qualitätssteigerung der österreichischen Hochschulbildung betrachtet werden. Wir sind weiterhin für einen offenen Hochschulzugang!”

Es muss nicht nur die Existenz von Zugangsbeschränkungen selbst, sondern auch deren Konzeption überdacht werden: Ein guter Schulabschluss führt nicht automatisch zu Erfolg und Verbindlichkeit im Studium, vice versa erweisen sich gerade Studierende mit alternativem Hochschulzugang als große Bereicherung für das universitäre Umfeld. Ebenso ist ein freier Universitätszugang für studieninteressierte Personen, welche sich über den dritten Bildungsweg eine selbstbestimmte (Bildungs-)Zukunft erarbeiten wollen, essentiell.

Quantitative Zugangsbeschränkungen werden den Zugang für sozioökonomisch benachteiligte Studieninteressierte noch weiter erschweren, insbesondere im Vergleich zu Studieninteressierten aus AkademikerInnenhaushalten: Viele Studien sind per se sozial selektiv. StudienbewerberInnen aus sozioökonomisch benachteiligten Schichten trauen sich durch einen Mangel an Selbstvertrauen und ihre insgesamt schlechtere Ausgangslage wesentlich seltener Bildungserfolg überhaupt zu. Aufgrund tendenziell höherer finanzieller Aufwendungen, beispielsweise für Fachliteratur, werden zB die Rechtswissenschaften von StudienbewerberInnen jetzt schon als elitäre Studienrichtung angesehen, was first generation students abschreckt. Weiters sind Vorbereitungskurse für Aufnahmeverfahren extrem kostspielig, erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, in das gewünschte Studium aufgenommen zu werden. Studierende aus sozioökonomisch benachteiligten Familien können sich diese Vorbereitungskurse nicht leisten und sind zudem öfter gezwungen, in den Ferien vollzeit zu arbeiten, um sich ihr Leben finanzieren zu können. Dies wirkt sich massiv auf ihre zeitlichen Kapazitäten bei der Vorbereitung und den Erfolg in den Zulassungsverfahren aus.

Der weitere schrittweise Ausbau von Zugangsbeschränkungen lässt insgesamt betrachtet die Hauptprobleme des österreichischen tertiären Bildungssektors – schlechte Betreuungsverhältnisse, mangelnde Qualitätssicherungsmaßnahmen sowie mangelnde Ausfinanzierung der Universitäten – außer Acht. Zugangsbeschränkungen werden an den Zuständen der Universitäten und den schlechten Studienbedingungen der Studierenden nichts ändern, aber first generation Students den Zugang zum Studium weiter erschweren. Wir ermahnen außerdem dringend dazu, die Haltung gegenüber den österreichischen Studierenden von Grund auf zu überdenken: Studierende sind keine Last oder Nutznießer, die man zum Wohle der Universitäten managen muss. Sie sind Universitätsangehörige, zukünftige SteuerzahlerInnen und aktive BürgerInnen eines demokratischen Systems, für die es sich lohnt, Universitäten studierbar zu gestalten.