Reihungsverfahren

Jedes Semester stellt sich für viele StudentInnen die gleiche Frage: Bekomme ich auch einen Platz in den Lehrveranstaltungen, die ich besuchen will? Vor allem in sogenannten Massenstudien mit einem großen Andrang auf Lehrveranstaltungen mit beschränkter TeilnehmerInnenzahl (also praktisch all jene, die keine Vorlesungen sind) ist diese Frage von großer Bedeutung. Nach welchen Kriterien die begehrten Plätze vergeben werden, hängt vom jeweiligen Reihungsverfahren ab.

An der Universität Graz gibt es kein einheitliches Reihungsverfahren, sondern eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Methoden, um festzustellen, welche Studierende einen der knappen Lehrveranstaltungsplätze erhalten und welche nicht. Je nach Fakultät oder mitunter auch je nach Institut gibt es verschiedene Verfahren, welche wir euch nachfolgend ein wenig näherbringen möchten und deren Vor- und Nachteile für uns Studierende durchleuchten werden.

Das simpelste Verfahren ist vermutlich „First-Come-First-Serve“ und entspricht dem alten deutschen Sprichwort „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Wie der Name schon besagt, geht es hierbei einzig und allein darum, sich möglichst früh anzumelden, um so einen sicheren Fixplatz zu ergattern. Dieses Verfahren führt zu großen Ungerechtigkeiten, etwa wenn Studierende zum ehestmöglichen Anmeldezeitpunkt verhindert sind, weil sie zum Beispiel arbeiten müssen. Doch auch wesentlich banalere Gründe können eine erfolgreiche Anmeldung verhindern, etwa die Geschwindigkeit der Internetverbindung oder andere technische Hindernisse. An der Uni Graz findet sich dieses eindeutig ungerechte System interessanterweise gerade dort, wo man es eigentlich besser wissen sollte – an der Fakultät für Rechtswissenschaften.

Ein ähnlich einfaches System ist das Losverfahren. Einzig das Los, also das Glück des Studierenden, entscheidet darüber, ob man einen Platz in der Lehrveranstaltung hat oder ob man ein – oder auch mehrere – Semester warten muss, um einen Platz zu bekommen. Man kann zwar behaupten, dass dieses Verfahren gerecht ist, weil allen StudentInnen die gleichen Chancen auf einen Platz zuteil werden, und anders als bei Lotto sind die „Gewinnchancen“ auch durchaus realistisch groß. Aber so manche empfinden dieses System subjektiv dennoch als sehr ungerecht, weil es nicht auf die spezifischen Umstände der Studierenden Rücksicht nehmen kann. Ein reines Losverfahren scheint es an der Uni Graz denn auch nicht zu geben, allerdings wird dieses oftmals als Ergänzung zu anderen Reihungskriterien verwendet.

Prioritätensysteme ermöglichen den Studierenden eine stärkere Einflussnahme auf die Reihung und sorgen im Normalfall dafür, dass man zumindest in den Lehrveranstaltungen, die einem besonders wichtig sind, Plätze bekommt. Allerdings kann es hierbei zu unerwünschten Ergebnissen kommen, da es durchaus möglich sein kann, dass man mal zuviel, mal zuwenig Punkte setzt, im schlechtesten Falle keinen der begehrten Plätze zugewiesen bekommt und die gesetzten Punkte somit verfallen. Dieses an Börsenspekulationen erinnernde System war, wenig überraschend, in früheren Jahren an der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sehr beliebt, was man aber dankenswerterweise mittlerweile durch ein anderes mehrstufiges Verfahren ersetzt hat.

Den höchsten Komplexitätsgrad weisen jene Systeme auf, die mehrere Kriterien kombinieren. Bei diesen werden die Studierenden beispielsweise nach individuellem Bedarf (z.B. Pflichtfach vor Wahlpflichtfach vor freies Wahlfach) oder bereits erbrachter Studienleistung (ECTS) gereiht, um dadurch ein rasches Vorankommen im Studium zu ermöglichen. Ein solches System kann je nach Kombination zu einer sinnvollen und relativ gerechten Reihung führen, kann in der Praxis jedoch trotzdem ein Problem darstellen, da es aufgrund der mitunter doch recht hohen Komplexität zu Intransparenzen führen kann, wenn die daraus resultierende eigene Wartelistenposition nicht einsehbar bzw. unmittelbar einschätzbar ist. Zudem fehlt dabei auch die Möglichkeit, selbst Prioritäten zu setzen, wodurch spezielle Notlagen einzelner Studierender keine Berücksichtigung finden. An den meisten Fakultäten der Uni Graz findet ein derartiges mehrstufiges und mehr oder minder komplexes Reihungsverfahren Verwendung, so etwa an der Sowi-, Gewi- und Nawi-Fakultät.

Abschließend muss leider ganz nüchtern festgehalten werden, dass es ein völlig gerechtes Reihungssystem nicht geben kann, da jeder Selektionsmechanismus sowohl ein- als auch ausschließen muss, wenn Plätze begrenzt sind und der Andrang groß ist. Was es allerdings eines Tages sehr wohl geben kann, ist die Abschaffung jeglicher Reihungsverfahren, wenn durch eine ausreichende Hochschulfinanzierung für alle Studierwillige genügend Plätze geschaffen werden.